Hundekacke und tote Kälber, Teil 2

Wer nix wird, wird Wirt! Oder eher: Hot(el)ier? Von Zwischen- und Endwirten, Müttern, die zu Töchter werden und anderen komischen Vergleichen.

Hinweisschild der hessischen Bauern"Hundeot auf Wiesen und Weiden ist nicht nur unappetitlich, wenn er in das Futter unserer Tiere gelangt, sondern kann auch Krankheiten übertragen, die im schlimmsten Fall zu Fehlgeburten bei unseren Rindern führt.

Meine Mutter war jahrzehntelang Kellnerin. In Gaststätten, Bierzelten und Restaurants. Gefühlt bin ich zu einem Drittel meiner Kindheit in so etwas aufgewachsen. Ich bin damit aufgewachsen, dass Helmut Schmidt ein netter Kerl war, der meine Mutter mit „Na, mein Mädchen“ angesprochen hat, wie zickig die Hellwig-Schwestern sind, dass Nico der Tierpfleger heulend mit einem Pumababy im Restaurant stand, dass von der Mutter nicht angenommen wurde (von meiner aber!) und das Bubi vom Tenniscenter eine lebende Weihnachtsgans geschenkt bekommen hat. Die wurde auf seinen Balkon einquartiert, weil er sie nicht schlachten wollte. Bubi war übrigens der Beste von allen, denn er hat meiner Mutter vernünftig kochen beigebracht. Davon haben wir noch jahrzehntelang profitiert.

Aber um diese Wirte geht es hier gar nicht. Sondern um das, was biologisch gesehen Wirte sind. Denn um besser zu verstehen, wie das mit der Hundekacke und den toten Kälbern ist, geht es hier dann erst einmal um das „Wirtshaus zum fröhlichen Kläffer“.

Ich zitiere mal Wikipedia, weil besser bekomme ich das eh´ nicht hin: „Als Wirt bezeichnet man in der Biologie einen Organismus, der einen als Gast bezeichneten artfremden Organismus mit Ressourcen versorgt. (…) Je nach Art der Wirt-Gast-Beziehung kann der Wirt dem Gast Nahrung liefern, Schutz, Aufenthaltsort und die Möglichkeit zur Vermehrung oder Verbreitung gewähren“

In der Reihe „Hundekacke und tote Kälber“ geht es um Neospora caninum. Das ist ein winziger, einzelliger Parasit. Dieser Parasit hat verschiedene Entwicklungsstufen. Also genau wie ein Mensch von „befruchteter Eizelle, Zellhaufen, Fötus, Baby, Kleinkind, Kind, Jugendlicher, junger Erwachsener, Erwachsener, Senior, Greis“ seine verschiedenen Entwicklungsstadien hat, hat dieser Parasit es auch.

Wenn es um Neospora caninum geht, gibt es vor allem zwei Wirte: den Zwischenwirt und den Endwirt. Dabei wird der Hund als Zwischenwirt angesehen und das Rind als Endwirt.

Der Eingang des „Wirtshauses zum fröhlichen Kläffer“ für diesen Parasiten ist immer die Schnauze. Er frisst den einfach mit. Fällt auch nicht auf, da die schützende Eihülle, die sogenannte Oozyte, absolut winzig ist, von der Größe her kleiner als der Durchmesser eines Haares. Weil das so ist, merkt der Hund auch nicht, dass er eine ganze Menge dieser Dinger mitfrisst.

skizze eines Hundes mit in rot eingezeichetem Weg einer Oozyte durch den Hund. Dabei ist die Schnauze der Eingang für mit Oozyten belastetes Futter, die im Magen landen und von dort weiter in den Verdauungstrakt wo mit Pfeilen dargestellt wird, wie die Sporozoiten sich im Körper verteilen zu neuen Oozyten werden und am Ende über den Darmausgang ausgeschieden werden. Die Zeichnung ist mit "Wirtstier zum fröhlichen Kläffer heute Disco" beschriftet. Ein Knochen vor der Schnauze ist als Partybus (infiziertes Fleisch) gekennzeichnet, der Magen als Garderobe und der Darm als Dorfdisco. Die Fäkalien hinter dem Hund  als Mitfahrgelegenheit nach der Disco

Durch den Verdauungstrakt tritt Neospora caninum nun faktisch seine Abenteuerreise in diesem neuen Universum namens Hund an. Das Futter wird von Hunden ja nicht so zerkaut, eingespeichelt und damit vorverdaut wie bei uns Menschen. Deshalb ist die Magensäure von Hunden deutlich stärker als die von Menschen. Die Schutzschicht der Oozyte wird aufgelöst und damit deren Inhalt, die sogenannten Sporoblasten, in den Futterbrei entlassen, der vom Magen in den Darmtrakt gewandert ist.

Die Sporoblasten setzen dann wiederum im Darm ihren eigenen Inhalt frei, die Sporozoiten, frei. Im Endeffekt funktioniert so eine Oozyte also wie eine Medizinkapseln, die sich erst im Magen oder danach zersetzt um ihren Inhalt freizusetzen. Wenn ihr mal so eine Kapsel aufgemacht habt, werdet ihr sehen, dass dort mitunter viele kleine Kügelchen drin sind. Das ist der Wirkstoff. Der ist wiederum mit einem Trägermaterial verbunden, dass ihn bis in den Darm bringt. Dort werden alle Nährstoffe und Co aus der Nahrung herausgefiltert.

Das Wirtshaus zum fröhlichen Kläffer bietet dem Parasiten also ausreichend Schutz und auch Hilfe, damit er sich weiter entwickeln kann. Die winzigen Sporozoiten wandern durch die Darmwand und gelangen so in andere Körperteile. Der Parasit entdeckt faktisch sein neues Universum – und weil es ihm dort gut geht, vermehrt er sich. Als Einzeller teilt er sich dabei durch einschnüren.

Kennt ihr diese Mütter mit jungen Töchtern, die sich immer im Partnerlook zur Tochter anziehen? Also im Prinzip macht der Parasit das in seiner Vermehrungsform als Sporozoit ziemlich ähnlich. Nur um Lichtjahre schneller. Es gibt einen Sporozoiten, die Mutterzelle, die schnürt sich mittig ein und wird damit zu zwei Tochterzellen. Wenn die nach ein paar Stunden dann soweit wieder entwickelt sind, dass sie selbst wieder Mutterzellen sind, zack, geht das wieder von vorne los.

Wanderung einer Oozyte durch den Hundekörper in Skizzen. Oben links in der Ecke ist eine "richtige" Oozyte gezeichnet, darunter eher so ein runder Smiley-Typ, der in der Dorfdisco erst zum Magen wandert. Dort löst sich die "Eierschale" auf und die freigewordenen Sporoblasten wandern in den Darm wo sie die Sporozoiten freisetzen, die über die Darmzotten aufgenommen werden, in die Blutbahn gelangen und sich so im Körper verteilen, sich in Zellen vermehren und zum Teil als Oozyten wieder zurück in den Darm wandern und ausgeschieden werden.

So ein Durchgang „Mutterzelle – Tochterzellen – Mutterzellen“ dauert 5 – 9 Stunden. Jetzt rechnet das mal hoch, wie schnell so ein Infektion mit einem Parasiten wie Neospora caninum geradezu explodiert!

Weil das in der Wissenschaft übrigens gerne etwas kompliziert ist, heißen Sporozoiten, die es sich in einer Zelle des Wirts bequem gemacht haben und sich dort schnell teilen, übrigens Tachyzoiten. Klingt ein bisschen nach Tacho. Also schnell. Wenn diesen Tachyzoiten irgendwann die Puste ausgeht und die langsamer werden, verwandeln die sich übrigens in Bradyzoiten. Das klingt wie so ein trotteliger Darsteller aus einer amerikanischen Seifenoper.

In diesen Bradyzoiten wiederum wachsen neue Oozyten heran. Diese landen wieder im Darm und werden mit dem Kot ausgeschieden. Auf die Erde geplumpst, warten sie dann auf ihr nächstes Abenteuer. Deshalb sind Hunde Zwischenwirte. Aber eben nicht nur, denn Neospora caninum ist bei Hunden auch der Auslöser für die Krankheit Neosporose. Also sind sie sowohl Zwischenwirte – und wenn sie Neosporose entwickeln, ebenso Endwirte. Genau wie Rinder übrigens. Die kacken nämlich auch Oozyten aus.

Was diese Einzeller in den Körpern so anrichten, ist Thema eines anderen Artikels dieser Reihe.

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Lieblingsbilder der Woche

Vorgestern war ich mit den Hunden auf dem Lehrpfad am Molberger Dausenmoor. Das ist in der Nähe und ich bin da öfters mal, weil es eine nette kleine (etwa 3 km) Runde ist, auf der man ein bisschen was erklärt bekommt.

Mein Lieblingsstück auf dem Weg ist definitiv der hintere Querweg nach dem Aussichtsturm. Der führt nämlich an Moorpoldern vorbei und für mich sind die auf der einen Seite etwas unheimlich – aber auf der andere Seite auch total faszinierend. Denn man sieht dort, wie die Birken irgendwann so vollgesogen sind, dass sie zerbrechen. Das, was ins dunkle Moorwasser fällt, sinkt zu Boden und wird in dem säurehaltigen aber sauerstoffarmen Wasser eher konserviert als zersetzt. So entsteht über Jahrhunderte und Jahrtausende Torf.

gefluteter Moorpolder mit Bäumen und Büschen, die zwischendurch wie Inseln im Wasser stehen. Blauer Himmel mit Wolken spiegelt sich im Wasser. Im Vordergrund sind ein paar Blätter und ein Stückchen von einem Steg zu sehen.

Eine andere Variante ist etwas später im Hochmoor zu sehen, wo Heide über Heide wächst und die unteren Schichten unter Luftabschluss in einem sauren Millieu vertorfen.

Den Lehrpfad findet ihr auch hier:

Dann war am Montag der Niedersächsische Mühlentag. Das Museumsdorf hatte dafür beide Mühlen am Start und ich habe mich riesig gefreut, Wim wieder zu sehen (so nach 35 Jahren…). Aber mein Lieblingsfoto ist das von dem alten Melkwagen mit Joey davor. Es ist einfach so schön bunt – und ich habe an so einem Ding noch geholfen, Kühe zu melken.

Alter Weidemelkwagen vor altem Gemüsegarten und Landarbeiterhaus. Am Wagen lehnt ein altes Rad mit Milchkanne dran und davor sitzt ein weißer Hund

Dank meinem Vater habe ich jetzt auch eine Jahreskarte für das Museumsdorf, muss also nicht mehr nur schmachten, ob ich da rein kann – und ich werde sie nutzen, denn dort findet sich eine ganze Menge, um etwas besser zu erklären. Lehmwände zum Beispiel, wie an der Gehlenborgschen Scheune in Markhausen. Nur dass dort die Lehmwände etwas „ausgebeult“ sind. Aber wie sieht denn so eine Lehmwand von innen aus?

Blick durch eine kleine runde Öffnung in einer Lehm-Fachwerk-Wand auf einen Apfelbaum und eine Wiese mit zwei Rindern

Das kann man im Museumsdorf beim Lehmspeicher sehen. Bei dem Bild hat sich nur der Fokus etwas verschoben zur Schwarzbunten hinterm Apfelbaum. Der hat nämlich Belüftungsöffnungen. Irgendwo auf meinen diversen Speicherkarten und -sticks habe ich noch Bilder aus Neuruppin von einem Fachwerkhaus, bei dem der äußere Lehmputz mit den Jahrzehnten abgefallen ist. Das ist eigentlich eine ziemlich spannende Sache!

Nahaufnahme einer Getreideähre mit Grannen, sieht aus wie gemalt/mit künstlicher Intelligenz erstellt.

Wo oben etwas vom Lehmspeicher steht – darin wurde früher natürlich auch etwas gelagert. Getreide zum Beispiel. Auf einer Tour letzte Woche habe ich die Nahaufnahme beim Handy für eine Getreideähre ausprobiert. Wie das Bild geworden ist, habe ich dann aber erst zu Hause gesehen. Also – sieht aus wie mit KI generiert, ist aber voll in echt draußen fotografiert! Könnt ihr das auch?

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Hundekacke und tote Kälber. Teil 1

Die Debatte um Hundekot auf landwirtschaftlichen Flächen ist seit Jahren im Gange, derzeit hat es den Anschein, dass sie mal wieder ein bisschen gestreut wird wie Gülle von einem Prallteller. Worum geht es eigentlich? Also abgesehen davon, dass letztlich selbstverständlich sein sollte, seinen Hund nicht auf Wiesen und Weiden kacken zu lassen?

Zeichnung von mehreren schwarz-bunten Kühen hinter einem Schild "Hier ist die Salastschüssel der Rinder, kein Hundeklo" und einem irritiert schauenenden Hund
Bild: Rene Rempt. Vielen Dank!

Es geht vor allem um einen ganz bestimmten Parasiten: „Neospora caninum“. Es gibt jede Menge Parasiten, die von Hunden auf andere Tiere – oder umgekehrt – übertragen werden können. Die bekanntesten sind Zecken, Flöhe und Würmer. Manchmal bekommst sogar ein Mensch davon etwas ab. Das nennt man dann „Zoonose“ – was bei Neospora caninum übrigens nicht der Fall ist. Was macht Neospora caninum jetzt so besonders, dass es einen so großen Wirbel gibt und der digitale Blätterwald rauscht?

Ich habe mich auf die Suche nach einer Antwort begeben. Meine erste Station war Wikipedia. Dort habe ich eine A4-Seite voller Fachbegriffe präsentiert bekommen. Nicht wirklich etwas, dass mich tatsächlich viel weiter gebracht hat. Im Endeffekt habe ich einen ganzen Schwung Artikel zu dem Thema gefunden, ausgedruckt und während es im digitalen Blätterwald rauscht, raschelten bei mir die Papierstapel, färbten sich vom Textmarker zunehmend grüner und wuchsen die Notizen.

Als einzelliges Lebewesen hat der Parasit verschiedene Entwicklungsstadien. Diese Stadien haben ziemlich komplizierte Namen. Einer davon ist „Trachizoit“. Diese Trachizoiten sehen ein bisschen aus wie ein Halbmond. Oder so eine gebogene Fleischwurst. In mikroskopisch klein. Genauer: die sind etwa 3 – 8 µ mal 1 – 5 µ . µ ist das Zeichen für My oder auch Mü. Das bedeute „Mikrometer“. Weiter unten geht es um Oozyten, deren Größe beträgt 10 µ.

Ein µ , My oder Mü ist also ein Millionstel Meter. In Millimetern ausgedrückt ist so ein Trachizoit(enfleischwurst-Halbmond) also 0,003 – 0,008 mal 0,001 – 0,005 Millimeter groß. Eine Oozyste 0,01 Millimeter.

Zum Vergleich: unsere Haare sind durchschnittlich 0,05 – 0,08 Millimeter dick. Das heißt: würdet ihr ein Haar glatt durchschneiden, könnten darauf mindestens 10 Trachizoiten Party machen. Das mal so zum Größenvergleich.

Einen Floh oder eine Zecke als Parasit könnt ihr sehen. So ein Sporentierchen (auch „Apicomplexa“ genannt) wie Neospora caninum nicht. Das lebt auch nicht AUF einem Hund oder AUF einem Rind, sondern erst einmal IN EINER ZELLE von dem Wirtstier.

Das „Gasthaus zum fröhlichen Kläffer“ wird euch noch öfters unterkommen, Bild: Manuela von Häfen

Hat Neospora caninum das Stadium „Sporogonie“ erreicht (was passiert, wenn der Erreger sich vermehrt) ist es infektiös. Das heißt, ab da kann es ein Tier krank machen. Damit so ein Erreger aber die Reise zum nächsten Ziel überlebt, braucht es eine sichere Hülle. Das sind die Sporoblasten. Aber auch Sporoblasten brauchen noch einen Schutz. Ein Taxi. Diese nennen sich Oozyten.

Mein Weg auf der Suche nach Antwort hat mich unter anderem zu einer Studie vom Friedrich-Löffler-Institut in Wusterhausen geführt. Die Studie aus Wusterhausen sollte ganz konkret herausfinden, wie gefährlich Hundekot tatsächlich für tragende Rinder ist, DIE AUF EINER WEIDE FRESSEN. Auch das ist wichtig zu wissen: es ging in Wusterhausen nicht darum, in wieweit Futter wie Heu oder Silage kontaminiert sein könnten. Dazu gibt es eine Doktorarbeit mit über 200 Seiten *seufz *

Mit als Erstes muss bei so einer Studie überlegt werden, was eigentlich tatsächlich Sache ist. Also wo laufen Hunde tatsächlich, wenn deren Besitzer mit denen draußen in der Pampa unterwegs sind? Dann spielt es ja auch immer eine Frage, wie viele Hunde so auf einer Fläche herumrennen. Nicht zu vergessen, wo und in welchen Mengen die dann dort kacken.

Damit wird es dann schon problematisch. Denn ehrlich gesagt weiß das nämlich niemand. Es wird ANGENOMMEN. Ich weiß, dass mindestens eine der Personen, die an der Studie beteiligt waren, selbst einen Hund hat(te). Den haben wir nämlich mal „interwufft“. Außerdem war sie ziemlich aktiv im Rettungshundewesen etc. – also hat sie auch immer viele andere Hunde beobachten können. Wenn jemand etwas „annimmt“, dann tut er es erst einmal aufgrund seiner eigenen Erfahrungen und Beobachtungen.

Wenn ihr also selbst überlegen müsstet, welche Flächen Hunde in der Pampa benutzen und wo die sich dann lösen – was wäre eure Antwort? Also außer dem oft reflexhaften „Keine Ahnung“? In Wusterhausen ist es wie überall: es gibt eingezäunte Flächen und es gibt nicht eingezäunte Flächen. Meistens ist alles nur ein bisschen größer dimensioniert als hier in der Gegend. Junior hat auf dem WfbM-Bauernhof in Heilbrunn gearbeitet, das gehört zu Wusterhausen. Deshalb kenne ich die Gegend tatsächlich.

Viele eingezäunte Flächen sind mit mehreren Stromlitzen übereinander eingezäunt. Deshalb machen viele Hunde nur EINMAL die Erfahrung, unter so einem Zaun durchzulaufen und meiden diese Flächen. Zu beachten ist auch, dass die Studie erstellt wurde, bevor die Wolfsproblematik hochgekocht ist. Mittlerweile sind fast alle Weideflächen noch viel besser gesichert. Dort kacken sie maximal am Rand vor dem Zaun. Auf uneingezäunten Flächen ist das schon etwas anders – aber auch dort werden sich viele Hunde eher im Randbereich aufhalten. Einfach auch, weil er in der Nähe seines Menschen bleiben möchte.

Die Menge an Hundekot auf einer Fläche… damit kommen wir in einen „na jaaaa, vielleiiiicht…“-Bereich. Denn darüber ist noch weniger bekannt. ABER die Wahrscheinlichkeit, dass Flächen in direktem Umfeld von Dörfern und Städten und/oder an viel frequentierten Wegen liegen, generell höher belastet sind als Flächen die weiter weg vom Schuss liegen, sollte schon klar sein. Die meisten Hundehalter laufen nicht wirklich gerne weitere Strecken. Generell ist es aber so ein: „Keine konkrete Ahnung“.

Dann geht es ja um die Hundescheiße. Deshalb haben sich die Wusterhausener eine Studie angeschaut, wo von 24.089 Hunden, die überwiegend aus Privathaltung stammten, Kotproben gesammelt und ausgewertet wurden. Das Ergebnis war, dass bei diesen ganzen Hunden nur bei 47 Tieren Neospora caninum nachgewiesen werden konnten. Das macht einen Prozentsatz von 0,19 % aus. Insgesamt geht man in Deutschland davon aus, dass 0,2 % aller Hunde mit dem Parasiten infiziert sind.

Was bedeutet das konkret? Dass all diejenigen, die in der Schule Mathe total doof fanden und der Ansicht waren „das brauche ich NIE WIEDER!!!“ jetzt ein Problem haben ;-). Ich rechne das mal ein bisschen um: in 1 % passen 5 Mal die 0,2 % hinein. Nun nimmt man diese 5 mal 100 um herauszubekommen, wie hoch überhaupt die Zahl ist, die 100 % ausmacht. Das wären 500. Hunde. Von 500 Hunden ist (reich rechnerisch) also einer der „Wirt zum fröhlichen Kläffer“ dieses Parasiten.

Was wiederum bedeutet, dass genau dieser eine Hund faktisch auf eine Weide rennen und einem Rind fast direkt vor die Futterluke kacken müsste, damit dieses von seinen Erregern etwas abbekommt.

Aber da gibt es ja noch mehr Faktoren, die eine Rolle spielen, wenn es darum geht, ob so ein infizierter Hund tatsächlich ein Rind so beeinträchtigen kann, dass es verkalbt. Einer dieser Faktoren ist DIE ZAHL DER ERREGER, DIE ÜBERTRAGEN WERDEN. Infektiös sind Neospora caninum-Erreger ja nur in einem bestimmten Stadium. Deshalb werden die Oozyten gezählt. Oozyten sind so etwas wie die Eier von diesem Parasiten. Also die Form, die außerhalb des Wirtstieres überleben kann.

In echt sehen Oozyten viel langweiliger aus. Aber die haben so ein bisschen was von Emoji, Jack Skeleton und Minions – und ICH kann mir den Kram so einfach besser merken! Bild: Manuela von Häfen

Kennt ihr diese russischen Matroschka-Puppen? Also eine große in der immer kleinere Puppen stecken? So ähnlich ist das mit den Oozyten. In einem solchen Parasitenei stecken mehrere Sporoblasten und die sind wiederum mit Sporozoiten gefüllt. Stellt euch also vor, ihr macht die Matroschka-Puppe auf und da sind Zwillinge drin. Ihr macht diese Zwillinge auf – und die haben wiederum kleinere Zwillinge oder gar Vierlinge in sich, die ziemlich fies sind und sich ziemlich schnell vermehren können um irgendwann am Ende selbst Oozyten zu werden. Ein Teil dieser Oozyten nimmt dann die Abenteuer-Rutsche durch den Darm um irgendwann irgendwo umgeben von einem Haufen Kacke auf den Boden zu plumpsen. Das ist so die ziemlich vereinfachte Erklärung.

Ein Rind muss demnach so viele Erreger aufnehmen, dass ein Teil davon es schafft, es sich im Rind gemütlich zu machen und zu vermehren. Dazu müssen ein ganzer Haufen dieser matroschkaartigen Sporentierchen es schaffen, irgendwo durch Zellwände zu flutschen um sich jeweils IN EINER ZELLE breit zu machen. Wenn sie ihr neues Zuhause gefunden haben, können sie sich weiter vermehren.

Ein Problem ist, dass bei Neospora caninum zu der Zeit, wo die Studie stattgefunden hat, nicht so ganz bekannt war, was so eine Oozyste dieses Erregers überlebt und was nicht. Also ob UV-Strahlung vom Tageslicht, Regen, Frost oder was auch immer dem etwas ausmacht. Diese Widerstandsfähigkeit nennt sich „Tenanzität“. Da Neospora caninum aber ziemlich eng mit dem Erreger Toxoplasma gondii verwandt ist, kann man auf dessen Forschungen zurückgreifen. Toxoplasma gondii sagt euch vielleicht in der langen Form nichts, aber bei den Wörtern „Toxoplasmose, Katzen, Schwangerschaft“ könnte es so ein paar aufsteigende Wolken mit „ja, da war doch was!“ geben. Mit im schlimmsten Fall drastischen Auswirkungen bei schwangeren Frauen und ungeborenen Kindern ist der halt schon besser erforscht.

Toxoplasma gondii überlebt zum Beispiel einen Urlaub in der Arktis. Oder in der Tiefkühltruhe. Der findet auch die Tropen ganz angenehm, obwohl seine Wohlfühltemperatur 4 ° Celsius sind, das ist so in etwa Kühlschranktemperatur (gut, die sollte bei 6 ° C liegen, aber das bekommt man nicht immer hin). Es gab mehrtägige Temperaturversuche, bei denen der Erreger zum Beispiel 9 Tage bei 40 ° C überlebt hat, aber nach 3 Tagen bei ansteigenden Temperaturen bis 50 ° C abgestorben ist. Sicher ist man beim Pasteurisieren – also dem kurzzeitigen (15 Sekunden bis wenige Minuten) Erhitzen auf eine Temperatur zwischen 72 °C und 100 °C. Aber ansonsten fühlen sich sowohl Neospora caninum als auch Toxoplasma gondii in vielen Bereichen echt wohl – zum Beispiel auch im (Tränke-)wasser.

Aber welche Faktoren sind NOCH wichtig, um herauszufinden, ob ein Rind verkalbt, weil es infizierte Hundescheiße mitgefressen hat? Diese Oozyten sind ja noch lange nicht das Ende der Geschichte!

Eine Sache, die auch wichtig ist, ist die AUSSCHEIDUNGSZEIT den Hundes. Irgendwo in der Studie wird das mit Patenzzeit bezeichnet. Ein infizierter Hund kackt nicht permanent die Oozysten in der Gegend herum, sondern nur in einem bestimmten Zeitraum. Dann aber mit steigender Anzahl. Konkreter: zwischen Tag 3 und Tag 14 nach dem ein Hund sich mit dem Parasiten angesteckt hat, scheidet er selbst welche aus – und weil die sich halt vermehren wie blöde, zunehmend mehr. Bedeutet platt gesagt: Ein Hund müsste rund 14 Tage lang selbst infiziert sein und dann einem Rind fast vors Maul scheißen, damit das Rind möglichst viele Oozysten-Matroschkas aufnimmt. Woher weiß man, wann ein Hund anfängt, diese Parasiteneier mit zu kacken? Man hat gesunde Hunde eine genau definierten Anzahl dieser Parasiten gespritzt und dann geschaut, was passiert.

Aber… was ist noch wichtig? DAS RIND! Ab wann sorgen Oozysten bei einem tragenden Rind für einen Abort? Gute Frage. Nächste Frage: Wie findet man das heraus? Man nimmt ein paar gesunde, trächtige Rinder und verpasst denen (also wie bei den Hunden) genau abgezählte Dosen mit dem Erreger. Da schon länger bekannt war, in welchem Zeitraum die Kälberfrühchen-Totgeburten zur Welt kommen, war es einfacher, den Zeitraum zu bestimmen, wann die tragenden Rinder diesen Erreger per Spritze verpasst bekommen.

Rinder sind rund 280 Tage trächtig, das sind – genau wie beim Menschen – rund 9 Monate. Die meisten Aborte oder „Kälberfrühchen“ durch Neospora caninum passieren zwischen den Tagen 120 und 130 der Trächtigkeit. Heißt: entweder kommt es schon tot zur Welt oder es kommt lebend zur Welt und lebt aufgrund der mangelnden Entwicklung wahrscheinlich nicht besonders lange. So wie ich es herausgelesen habe, gab es vier trächtige Rinder, an denen probiert wurde, wieviele Erreger es braucht, um die Trächtigkeit zu beenden. Bei zwei Rindern ist nichts passiert, die haben ihre Kälber normal bekommen. Das Problem ist: die Kälber sind zwar nach der normalen Tragezeit zur Welt gekommen, aber da Neospora caninum durch das Plazentagewebe marschieren kann, tragen diese Kälber den Erreger schon in sich. Eine der vier Kühe hatte dann einen Abort – also eine zu frühe Totgeburt und die andere ein „Kälberfrühchen“ ohne große Überlebenschance.

Je mehr Erreger in der kritischen Zeit zwischen 120 und 130 Tagen durch die Plazenta marschieren können, desto höher ist das Risiko, dass es einen Abort gibt. Dieses „mehr“ fängt bei 41.000 an.

Da die Wusterhausener Studie sich darauf bezogen hat, welches Risiko bei WEIDERINDERN besteht, spielt natürlich auch die Weidezeit selbst eine Rolle. Es gibt natürlich extensiv gehaltene Rinder, die das ganze Jahr über draußen gehalten werden – aber das ist zum Beispiel auf Pachtflächen nicht ohne weiteres möglich. Es gibt die „Weideruhe“. Eine Erholungszeit für die Weideflächen über den Spätherbst/Winter. Zudem würden die Tiere in der nassen Jahreszeit die Weideflächen allein durch ihr Gewicht in weiten Teilen kaputt treten. Also hat man die übliche Weidezeit genommen, die ihr vielleicht aus einigen Werbungen von Molkereien kennt: 130 Tage.

Weil es aber eben keine konkreten REALEN Daten von Grünlandflächen gegeben hat, wurde ein „worst case“-Szenario angenommen, bei dem eine Grünlandfläche quasi mit kiloweise hochkontaminierter Hundekacke gleichmäßig versorgt wurde (!!!!) und dann wurden die Rechenleistung von Computern dazu aufgefordert, daraus im Endeffekt ein noch wie „worst caseres“ Szenario zu errechnen, nämlich wie noch auf diesem Utopia-Feld die Ansteckungsgefahr für tragende Rinder ist.

Computer machen so etwas. Die tun einfach, was man denen sagt und gucken einen nicht an mit dem Blick: „Aber sonst geht’s dir noch gut?“ oder legen einem eine Hand an die Stirn, ob man irgendwie Fieber hat. Natürlich kann man das alles jetzt irgendwie blöd finden. Ist es ja auch. Aber genau SO funktionieren viele Studien, für die irgendwelche Institute viel Kohle bekommen und die dann gerne zitiert werden. Es ist NORMAL. Aber bevor ihr euch aufregt: wir sind damit ja noch nicht am Ende der Studie!

Nach einigen Tabellen mit ziemlich vielen Zahlen, Potenzen und Perzentilen die ich absolut nicht verstanden habe (ist halt auch nicht wirklich wichtig für jemanden wie mich, es ist halt für eine Studie normal, dass da mit Zahlenkolonnen um sich geschmissen wird) geht es dem Ende des Berichts entgegen, der Interpretation. Deren Fazit ist: ob ein Hund auf eine Weide kackt, die von tragenden Rindern beweidet wird, ist eigentlich egal. Damit zumindest ein GERINGES RISIKO entsteht, müsste so eine Grünlandfläche regelmäßig von mindestens 87 Hunden begangen werden. Die alle mit Neospora caninum infiziert sein müssten.

Genau dafür waren diese Seiten mit Zahlenwust und das geradezu gülleartige Verteilungsszenario auf dem Utopia-Feld. Um genau das herauszufinden. Es hat also alles seinen Grund.

Da aber wie weiter oben schon zu lesen, rein rechnerisch nur 1 von 500 Hunden infiziert ist, gäbe es an so einem Ort entweder einen Brennpunkt an infizierten Hunden, oder wir nehmen einfach mal ganz rein rechnerisch an, dass 87 mal 500 = 43.500 Hunde sich auf so einer Fläche tummeln müssten, damit die Oozyten bei den trächtigen Rindern eine so hohe Anzahl erreichen, dass es zu Aborten kommt.

Was jetzt kein Freibrief sein soll, seine Hunde ungehemmt auf Wiesen und Weiden kacken zu lassen. Das gehört sich einfach nicht – und jedem, der das völlig selbstverständlich findet, wünsche ich einen Rinderbesuch im eigenen Garten. Im Herbst fangen die gerne an zu wandern und ich kann euch versprechen: 15 Rinder die ein paar Stunden Zeit haben, sich Rund um ein Haus zu amüsieren, sich die sorgsam gepflegten Begonienrabatten reinzuziehen und das Gemüsebeet zu erkunden sind nichts, was man unter „Spaß“ versteht. Also zumindest nicht für meine Eltern.

Fehlt noch etwas? Es fehlt hier noch eine ganze Menge! Aber darum geht es in den weiteren Teilen. Ich weiß, es ist viel zu lesen und manchen schreckt das ab, aber danke allen, DIE es lesen!

Quellenhinweise:

Studie aus Wusterhausen: https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/Document_derivate_00013774/Risikobewertung_Neospora-caninum_050726.pdf

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Neospora_caninum

https://www.sciencedirect.com/topics/biochemistry-genetics-and-molecular-biology/neospora-caninum (warum NC die zurückgehende Population arktischer Wildtiere beeinflussen könnte, 2012)

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9405361/ NC bei Schafen

https://www.ua-bw.de/pub/beitrag_printversion.asp?ID=2512 Vorkommen in Stuttgart/RLP

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Vom Glück durch Würgen, Pfunden, Stress und dem Stockholm-Syndrom

Bei der Suche nach einem „Fotodingsbums“ habe ich alte Speichersticks gefunden. Hach, die alten Bilder… gleich mal gucken! Oh, Joey 2013, kurz nach seiner Ankunft. Der nette Hund, der zum vierbeinigen Arschloch mutiert, sobald andere Hunde zu sehen sind. Das „Erdmännchen“ mit dem Würgefetisch, weil das Glückshormone en Masse aktiviert! Dem David Carradine der Hunde. Okay, Carradine ist dabei versehentlich im Schrank erstickt und weil ich da gerade noch einmal recherchiert habe, düdelt in meinem Hirn jetzt „one night in Bankok“ in Dauerschleife. Warum „Kung Fu“ bei einem autoerotischem Abenteuer drauf gegangen ist, könnt ihr selbst googeln.

Mittlerweile hat er die für das Durchschnittsgewicht zu viel drauf – und immer wenn ich denke: „Nun haben wir es endlich geschafft, er hat Gewicht runter!!!“ belehrt mich die Waage eines besseren. Wobei ich halt weiß, wenn er zu wenig Fressen bekommt, frisst er umso mehr irgendwelchen Mist. Also lasse ich das so. Er bewegt sich – im Vergleich zu manch anderem Hund – letztlich auch viel. Ich hab´ auch ein paar Kilo mehr, die ich seit Jahren nicht runterbekomme – und ich kann mich drüber ärgern oder damit meinen Frieden schließen.

Ich kann mir selbst Stress machen, weil die Medien suggerieren, dass es so viel wichtiger ist, schlank und rank zu sein und ein Idealgewicht zu haben, dass von irgendwelchen Kerlen erfunden wurde. Das seit Jahrzehnten dafür sorgt, dass Zeitschriften ausreichend Artikel und Hochglanzbilder haben und es eine ganze Fitnessindustrie gibt, die mit ranken, durchtrainierten Menschen wirbt, deren wahre Helden aber eigentlich das genaue Gegenteil sind.

Joey ist sein Körper ziemlich egal. Wenn es juckt, wird geschubbert, wenn eine Pfote weh tut, wird gehumpelt. Wenn „das kleine Hüngerchen kommt“, muss etwas in die Fressluke und wenn es hinten wieder rauskommt, wird es für ihn unangenehm. Überhaupt hat er jahrelang Berührungen im Bereich des hinteren Rückens extrem blöd gefunden. Toll findet er die immer noch nicht, aber er akzeptiert sie mittlerweile. Meistens. Da ihm in Griechenland die Rute abgeschnitten wurde und das sicherlich über Tage wirklich unglaublich weh getan haben muss, verstehe ich das.

Auch Tiere können ein Trauma bekommen – und ich bin mir ziemlich sicher, das „verschleppen von Hunden in großen Kisten die lange herumgefahren werden und von irgendwelchen Menschen in fliegende Konservenbüchsen oder Transporter gestapelt werden, um am Ende in komplett fremder Umgebung bei irgendwelchen Menschen zu landen, die DANKBARKEIT erwarten, gehört bei vielen Hunden definitiv zu den traumatischen Erfahrungen.

Wer weiß, vielleicht haben viele „Tierschutzhunde“ aus dem Ausland letztlich einfach nur so etwas wie das Stockholm-Syndrom? Laut Google ist es „ein psychologisches Phänomen, bei dem Geiseln positive Gefühle für ihre Entführung entwickeln, einschließlich Sympathie und Zuneigung“. Wobei es tatsächlich Hunde gibt, die eher ein Stockholm-Syndrom entwickeln als eine gute Bindung. Das passiert dann, wenn der Hund trotz eines gewalttätigen Halters immer wieder zu diesem kommt und Kontakt möchte. Der Name „Stockholm-Syndrom“ kommt übrigens von einer Flugzeugentführung.

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Warum das Oldenburger Münsterland „Oldenburger Münsterland“ heißt.

Ab 1400 beginnt die Geschichte des heutigen Oldenburger Münsterlandes. Damals gehörte es zum Niederstift Münster. Das Niederstift umfasste versprengte Besitztümer des Hochstiftes in Münster. Diese befanden sich im Emsland, Hümmling und in den Gebieten der heutigen Landkreise Cloppenburg und Vechta.

Schild mit Logo Oldenburger Münsterland und dem Wappen des Landkreises Cloppenburg

Hoch- und Niederstifte klingen irgendwie nach Malzeug. Gemeint sind damit von Adel und Landherren an die katholische Kirche gestiftete Gebiete oder Bauwerke wie z. B. Kirchen oder Kapellen.

Solche Stiftungen konnten ziemlich weit weg vom Hochstift sein. Diese Region liegt ja noch ziemlich dicht an Münster dran – aber zum Kloster Kamp am Niederrhein gehörte zum Beispiel sehr, sehr lange ein Waldgebiet in Ostprignitz-Ruppin, genauer: in Wittstock an der Dosse. Das liegt dort gleich neben dem Daberturm und uns (Junior und mir) wurde sowohl beim Besuch des Daberturmes davon erzählt – und bei einem Besuch im Kloster Kamp gab es eine große Erklärtafel über die Reisen nach Wittstock, die wir uns angeschaut haben. Diese Entfernung beträgt über Autobahnen und Landstraßen heute nur rund 600 Kilometer.

Wegekreuzung inmitten von Feldern

Von Cloppenburg nach Münster sind es über die Autobahn rund 130 Kilometer. Wurden vom Bischof in Münster früher Leute losgeschickt (oder machte er sich gar selbst auf den Weg), dauerte so eine Reise mehrere Tage, oder eher: Wochen. Denn so eine Besuchsreise bedeutete immer, dass ein ganzer Tross von oft über 100 Leuten unterwegs war – und da war die Reisegeschwindigkeit noch begrenzter als die eines berittenen Boten zu Pferd. Und: wo der Tross zum Übernachten einfiel, fraß er dem Gastgeber im Prinzip alle Vorräte weg, denn der jeweilige Gastgeber war verpflichtet, die ganzen Leute auf eigene Kosten durchzufüttern. Auch ein Grund, warum solche Besuche sich nicht wirklich großer Beliebtheit erfreuten.

Während früher der Bischof über Recht und Unrecht in den Stiftsgebieten bestimmte, unterlag die Rechtsprechung später den Landesherren. Friedrich der Große, der „Alte Fritz“ (1712 – 1786) hat während seiner Amtszeit ein allgemeines Landrecht eingeführt. Damit wurde mehr Klarheit geschaffen und die vielen unterschiedlichen Landrechte aufgehoben.

Nach wie vor ist diese Region sehr katholisch geprägt, was sich überall durch Wegekreuze, Mariengrotten und viele katholisch geprägte Institutionen erkennen lässt. Außerdem gibt es in unserer Gegend mehrere Pilgerwege. So gibt es den Hümmlinger Pilgerweg, den Kardinal-von-Galen-Pilgerweg, ihr findet einen Pilgerweg zur Kapelle nach Bethen bei Cloppenburg, dem „Lourdes des Nordens“ und könnt tatsächlich auch ein Stück auf dem Jakobsweg laufen, denn der „Jakobsweg via Baltica“ ist im Prinzip einer der Zubringerwege zum spanischen „Camino de Santiago“

Heute zählen nur noch die Landkreise Cloppenburg und Vechta zum „Oldenburger Münsterland“ und haben mit dem grün-weißem Logo und der Bezeichnung „Oldenburger Münsterland“ eine so genannte Dachmarke geschaffen.

Das erinnert mich tatsächlich auch ein kleines bisschen an Hoch- und Niederstifte, weil sich unter dieser Dachmarke zum Beispiel alle anderen Touristiker des Gebietes befinden, wie zum Beispiel „Erholungsgebiet Thülsfelder Talsperre“ – und ihr alle Städte und Gemeinden des Gebietes angehören.

Blick zwischen einem Baumwall auf Felder

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Schnabelraub durch Martinsgänse

Als ich vor ein paar Tagen mit Joey abends unterwegs war, hat es uns zu zwei ehemaligen „Sandendnahmestellen“ geführt. Also Baggerseen. Einer davon ist ziemlich zugewachsen und eher uneinsehbar, der andere hat ein steileres Sandufer und ist vom umgebenen Weg aus an einigen Stellen gut zu sehen. Die Zugvögel lieben beide als Brut- und Rastplatz.

Blick auf einen Baggersee, mit Bäumen umwachsen, auf dem See schwimmen zwei Gänse

Die beiden Seen sind auch nicht sonderlich weit von einem der wichtigsten europäischen Schutzgebiete für Zugvögel entfernt: der Thülsfelder Talsperre, die nördlichste Talsperre Deutschlands. Irgendwie schon echt krass zu wissen, dass mitten im verrufenen Güllegürtel Deutschlands, der bei vielen Menschen einen total schlechten Ruf hat, eines der wichtigsten europäischen Vogelschutzgebiete liegt!

Getreidefeld vor Wald, blauer Himmel

Wir sind also auf dem Weg um den See und ich schaue etwas versonnen auf die im Abendlicht tatsächlich goldgrün-glänzenden Getreidefelder. Das erinnert mich oft an die Szene vom Film Gladiator, wo er durchs Getreidefeld läuft und es diese richtig coole Musik von Hans Zimmer „Now we are free“ gibt. Nun ja, ich gucke so auf den Feldrand und der sieht etwas struppig aus. Habe ich so vorher auch noch nie gesehen.

Getreidefeld vor Wald, abgefressener Rand

Aber im Endeffekt sprechen die Bilder für sich und ich denke, es wird später einige gut mit Getreide ihres „Watschel In´s“ satt gefressene Martinsgänse hier in der Gegend geben. Oder „Goose Mc Nuggets“

Täterspuren:

Sandweg mit vielen Gänsespuren
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Buchtipp: Kelsang

Ich bin im Moment etwas unerwartet mit einer Artikelserie für Humpelkumpel ausgelastet. Die bekommt den Namen „Hundekacke und tote Kälber“. Denn es rauscht mal wieder im digitalen Blätterwald über die bösen Hunde und was die den armen Rindern antun können. Ich wollte einfach mal wissen, was da eigentlich tatsächlich hintersteckt – und das ist für mich tatsächlich zu einer Art Krimi mit so manchem „WTF????“-Moment ausgeartet. Wie in echt dauern richtige Krimis aber viel länger als so ein Tatort aus dem Fernsehen.

Deshalb habe ich ein bisschen gestöbert, was ich noch „recyceln“ könnte. Da ich auch auf Humpelkumpel immer mal tolle Buchtipps geben möchte, hier das beeindruckende – eigentlich Jugendbuch – Kelsang. Ihr werdet das 2014 erschienene Buch mitunter nur noch antiquarisch bekommen – aber es lohnt sich!

Kelsang ist ein Tibet-Mastiff, ein Do Khy. Ein Hund, der in Asien als Herdenschutzhund eingesetzt wird. Und genau das ist das wirklich Besondere an dem Buch: Es ist ein mongolisches Jugendbuch, das erst auf Englisch und nun auf Deutsch übersetzt wurde.

Es ist eine wirklich tolle Geschichte aus einem sehr fernen Land, dass das Leben eines Hundes, der in der mongolischen Steppe geboren wird und dessen Bestimmung eigentlich der Schutz seiner Herde gewesen wäre… wenn… ja wenn nicht alles ganz anders gekommen wäre.

Ein skrupelloser Kerl macht seinen Herrn so betrunken, dass er Kelsang an ihn verkauft. Das Ziel von Kelsang ist dann erst einmal Hundekämpfe und ein Leben an einer Kette, von der er über ein Jahr lang nicht mehr los kommt, weil niemand sich an ihn heran traut.

Kelsang lernt Wildhüter kennen, Stadtleben, Mönche, einen Maler, Einbrecher und später blinde Kinder, die er durch die Gegend führt – bevor er wieder ins Grasland ziehen darf und sich der Kreis für ihn schließt.

Es gibt viele Bücher, die aus dem englischen und amerikanischen übersetzt worden sind. Aber es gibt nur sehr wenige Bücher, die tatsächlich aus Ländern wie der Mongolei kommen. Deshalb ist „Kelsang“ ein absoluter Lesetipp für große und kleine Hundeliebhaber.

Das Buch wurde von Gereichimag Blackcrane geschrieben, er ist in der Inneren Mongolei aufgewachsen. Er hat mehrere Bücher geschrieben, in denen Tiere die Hauptrolle spielen und die vom Leben der Nomaden in Tibet und der Mongolei erzählen und wurde dafür mit zwei Chinesischen Kinderliteraturpreisen (Chinese National Children s Literature Awards) ausgezeichnet. Heute lebt Gerelchimeg Blackcrane in der Provinz Heilongjiang in China.

Erschienen ist das Buch beim Verlagshaus Jakoby & Stuart Gmbh

Ihr bekommt es als gebundenes Buch für 14,95 Euro (das bestellt die Fontane-Buchhandlung auch gerne für euch über Libri!), als E-Book bei Kindle und in der Online-Bibliothek Skoobe.

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Garen bei Niedrigtemperatur

Dieser Artikel ist „recycled“ aus meinem Ruppi-Struppi-Blog von 2015. Aber vom Thema her immer noch aktuell. Also nicht wundern…

kennt ihr das? Vor einigen Jahren habe ich davon das erste Mal gehört. Wer seine klassischen Fleischgerichte mit Temperaturen von 180 Grad oder so zubereitet, kann sich wahrscheinlich kaum vorstellen, das es auch mit Temperaturen weit unter 100 Grad geht. Aber es funktioniert! Natürlich dauert es entsprechend viel, viel länger – aber, so ist allenthalben zu lesen, es lohnt sich, die Braten werden supersaftig und schrumpfen nicht! Klingt doch richtig lecker – zumindest, wenn man keiner dieser militanten Veggi-Anhänger ist – oder? Aber bevor ihr denkt: „Scheiße, jetzt verkommt das hier auch noch zum Koch-Blog…“ – wie komme ich denn eigentlich darauf? Wahrscheinlich ahnt ihr es sowieso schon: Das leidige Thema „Hund im Auto“. 

Farinos Züchterin hat gestern auf Facebook ein Video geteilt, das irgendwer in einem anderen Land aufgenommen hat. Ein Auto vor IKEA, ein paar Leute drumherum – und ein Hund im Kofferraum, dem es sichtlich nicht mehr gut ging. Es war nicht einmal Hochsommer, der Bekleidung von den Menschen nach zu urteilen, dafür waren die viel zu dick angezogen. Ein Polizist hat erst eine Seitenscheibe von dem Wagen eingeschlagen um eine Türe aufzubekommen, Leute haben sich hineingezwängt und versucht den Hund mit Wasser zu kühlen, dann abgedeckt, damit die Heckscheibe eingeschlagen werden kann um den Hund da heraus zu bekommen. Und immer wieder der Hund, ein Boxer, wie er auf der Seite liegt, hechelt und sich weiter nicht mehr regen kann. Irgendwie komisch geformt, so unnatürlich… dann Kameraschwenk auf die Leute, die zum Teil da stehen, fassungslos sind und weinen. Dann wird der Hund aus dem Auto geholt, er kann wirklich nichts mehr ausser im Todeskampf nach Luft ringen. Er sieht nicht mehr die Menschen, die heulen und den Anblick ihr ganzes Leben lang wohl nicht mehr vergessen werden, das jemand die Scheibe eingeschlagen hat… auch das wird er nicht mehr mitbekommen haben. In der Beschreibung steht, er war drei Stunden im Auto.

Ich habe dann die Tabelle mit der Hitzeentwicklung im Auto verlinkt. Das, was man dann halt eben so macht, wenn man betroffen ist und darauf hinweisen möchte. Aber irgendwann habe ich angefangen zu überlegen – WAS passiert eigentlich GENAUER, wenn so einem Hund zu warm wird? 

Dazu brauchen wir erst einmal so etwas wie einen „Ist-Zustand“: Die normale Körpertemperatur eines Hundes beträgt 39 Grad Celsius. Ein Hund kann nur über die Pfotenballen und über den Nasenspiegel schwitzen, also über im Vergleich zu seiner Körpergröße sehr kleine Flächen. Eine weitere Wärmeableitung des Hundes ist das Hecheln, bei dem feuchte warme Luft von tief unten aus den Lungen nach draußen transportiert wird. Hunde können im Normalfall eine Aussentemperatur von bis zu 28 Grad Celsius damit ausgleichen, wenn sie sich entsprechend anpassen dürfen.

Wie funktioniert das Hecheln eigentlich genau?

Jeder hat schon einmal einen Hund gesehen, der seine Zunge heraushängen lässt und dessen Atemfrequenz sich erhöht hat. Die Atemfrequenz ist die Anzahl der Atemzüge pro Minute. Ein Hund, der sich nicht anstrengen muss, holt etwa 30 Mal pro Minute Luft. Das reicht dann um alle Körperfunktionen stabil zu halten. Strengt ein Hund sich an, steigt diese Frequenz auf bis zu über 300 oder gar 400 Atemzüge pro Minute an, was einem Hundehalter ganz schön Sorgen machen kann!

Wenn ein Mensch über längere Zeit schnell atmet, kann es sein, dass er „hyperventiliert“. Hyper ist das altgriechische Wort für „über“ und ventilieren kommt aus dem lateinischen für „fächeln“. Wer hyperventiliert sorgt durch eine schnelle Atmung dafür, dass mehr CO2 ausgeatmet wird, welches dann im Blut fehlt. Dort ist es als Kohlensäure gebunden – und wie man es schon an der Formel sehen kann, wenn man davon etwas wegnimmt, dann bleibt immer noch ein Rest – und der ist dann im wahrsten Sinne des Wortes sauer und reagiert sich ab. Dadurch kann z. B. Der Hirnstoffwechsel so beeinflusst werden, dass es zu Krämpfen kommt. Will kein Mensch erleben. 

Warum aber hyperventilieren Menschen, wenn sie eine zu hohe Atemfrequenz haben – aber nicht die Hunde, die eine viel höhere Atemfrequenz erreichen können? Die Antwort ist, dass Hunde durch die Nase einatmen – und beim Hecheln durchs Maul ausatmen. Nicht umsonst ist die Erste-Hilfe bei hyperventilierenden Menschen, in eine Tüte zu atmen, die Hände vors Gesicht zu halten, oder zu versuchen, nur durch die Nase ein und aus zu atmen. Denn alles das begrenzt das Luftvolumen. Stellt euch vor, ihr müsstet gähnen… wieviel Luft dabei eingesogen wird! Das schafft ihr mit der normalen Nasenatmung halt nicht.

Es gibt noch ein sehr spannendes Wort, auf das ich im Rahmen der Recherche gestoßen bin. Das heißt „Totraumventilation“. Diese Totraumventilation bezeichnet den Luftaustausch in den Bereichen der Atemwege, wo kein Gasaustausch stattfindet, „sondern nur Leitungen liegen“. Also alles, bis auf die feinen Äste in den Lungenflügeln wo die Lungenbläschen Sauerstoffmoleküle annehmen und Kohlendioxidmoleküle zur Entsorgung rauswerfen.

Ein hechelnder Hund versorgt seine Lungenbläschen also normal mit Sauerstoff – fährt aber die Totraumventilation zur Wärmeableitung hoch und um eine möglichst große Fläche zu haben, die diese feuchtwarme Luft auswirft, macht er seine Schnauze weit auf und zieht die Lefzen dabei hoch. Das wird von den Menschen oft als „grinsen“ oder „lächeln“ bezeichnet. Glaubt mir, selbst ein Hund der verzweifelt nach Luft ringt „grinst“ – und dem ist bestimmt nicht nach: „Boah, was für ein geiler Tag heute, Partyyyy!“. Da entlang der Schleimhäute auch die Blutbahnen verlaufen, die das Gehirn des Hundes versorgen, ist das Hecheln gleichzeitig eine Art „Gehirnkühlung“. Wenn denn die äusseren Umstände stimmen.

Hunde die hecheln verbrauchen dabei viel Wasser. Bis zu ein Liter Wasser pro Stunde geht durch das Hecheln drauf – und dieses Wasser fehlt den Hunden dann für wichtige andere Dinge im Körper. Deshalb ist es enorm wichtig, das sie bei Hitze oft trinken können. Denkt also daran, das nicht nur ihr als Menschen unter der Hitze leidet und mehr Durst habt, sondern Hunde auch. Wenn ein Hund anfängt zu hecheln, produziert er automatisch mehr Speichel, damit die Schleimhäute im Maul nicht austrocknen.

Was passiert aber jetzt, wenn ein Hund die Wärme nicht mehr ausgleichen kann?

Wie schon oben erwähnt, können Hunde Temperaturen bis 28 Grad mit ihren Möglichkeiten zur Wärmeableitung ausgleichen, wenn man sie lässt. Steigt die Umgebungstemperatur, steigt auch die Körpertemperatur des Hundes, weil die Wärmeableitung eben nicht mehr so funktioniert. Dann schaltet der Körper des Hundes auf einen Notfallplan um um zu retten, was irgenwie zu retten ist: er zieht Blut aus dem inneren des Körpers ab und pumpt es vermehrt in die Hautschicht. Denn das Blut ist ja warm und je dichter es an der Hautoberfläche ist, desto eher besteht die Chance, dass die Wärme durch Luftbewegungen etc. abgebaut werden kann. Blöder Weise werden dadurch die inneren Organe nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt – also kann so ein „Notfallplan“ kurzfristig ganz sinnvoll sein, aber es ist halt ein „Retten was zu retten ist“ – eine Chance. Ein: es KANN gut gehen, MUSS es aber nicht.

Hier komme ich noch einmal auf die Tabelle zurück:

Und zwar geht es um die Innentemperatur eines Autos, NICHT um die Sauerstoffzufuhr nach dem Motto: „Na ja, lass ich da mal ein Fenster ein bisschen offen!“. Denn so etwas ändert an dem sich aufbauendem Backofen dort nicht wirklich etwas!

Wenn ich aktuell auf die Wettervorhersage gucke, haben wir „Neuruppin, sonnig, 34 Grad“, Höchsttemperatur für heute ist mit 36 Grad angegeben. 

Aber, WAS passiert denn nun mit in so einem Hundekörper, wenn er zu sehr überhitzt, warum ist das lebensbedrohlich und weshalb stirbt ein Hund (Katze, Maus, Meerschwein, Huhn, Mensch… kurz: Lebewesen) dann?

Dazu müssen wir wieder einen Ausflug in die Biochemie machen und uns mal die wichtigsten Bausteine des Leben angucken, die Proteine. Allgemein auch „Eiweiß“ genannt. Damit ist in dem Fall nicht das Eiklar eines Eies gemeint, sondern etwas viel, viel, viel kleineres – ein Molekül. Das Wort kommt vom lateinischen „molecular“ und bedeutet so viel wie „kleine Masse“. Wenn sich also ein paar Atome zusammenrotten, entsteht ein Molekül. Rotten sich die gleichen Atome zusammen, wie zum Beispiel Sauerstoffatome, entstehen reine Sauerstoffmoleküle (o2). Finden sich noch andere Atome ein, gibt es so eine Art Party und es entsteht zum Beispiel ein Wassermolekül (h2o), weil noch ein Wasserstoffatom dazu gekommen ist. Seht ihr oben auf dem Bild. 

Proteine bilden sich letztlich auch so – je nachdem, was der Markt an Atomen anbietet, bilden sich daraus verschiedene Proteine. Hat eigentlich sehr vereinfacht erklärt ein bisschen was von einer Legokiste – man kann gucken, was drin ist und daraus das bauen, was möglich ist und je nachdem, was man gebaut hat, kann es nur rumstehen und komisch aussehen, es kann mit zwei, vier oder noch mehr Rädern herumfahren, es hat ein Dach oder ein Fenster… egal was. Aber es ist immer aus den Legosteinen gebaut, die gerade vorhanden sind. Mal aus mehr, mal aus weniger. Wenn ihr nicht gerade anstrebt, Naturwissenschaften zu studieren ist so eine Erklärung eigentlich auch in Ordnung.

Proteine haben also je nach Zusammenbau ganz unterschiedliche Funktionen. Es gibt Proteine, die für die Körperstruktur und Bewegung zuständig sind. Kollagene zum Beispiel bestimmen den Aufbau einer Körperzelle und damit, wie das Gewebe eigentlich aussieht: ist es zum Beispiel faseriges Muskelgewebe oder eher schwammig-wabbeliges Lebergewebe? Haare, Nägel, Klauen, Hufe, Schuppen etc. bestehen aus Keratinstrukturen, auch das sind Proteinverbindungen. Dann gibt es ja noch den Stoffwechsel im Körper, dort übernehmen verschiedene Proteine Aufgabe wie den Transport von Stoffen wie z. B. Sauerstoff im Blut. Als Enzyme und Hormone sind sie Botenstoffe und Auslöser von verschiedenen lebenswichtigen Vorgängen in den Organen, als Blutgerinnungsstoffe sorgen sie dafür, das Wunden sich schließen und so weiter und so fort. Ihr seht – ohne funktionierende Proteine haben Lebewesen keine Chance zu leben.

Nun haben diese winzigen Wundermoleküle aber ein ganz großes Problem: Sie sind hitzeempfindlich! Wenn sie wärmer werden, gehen sie kaputt: sie denaturieren. Auch hier gibt es verschiedene Stufen, manche Hitzeschäden lassen sich wieder rückgängig machen, die sind dann „reversibel“ und manche eben nicht, die sind „irreversibel“. Hier kommen wir dann z. B. Zum Eiklar – das enthält auch Proteine und die werden in einer heißen Pfanne denaturiert.

Dabei kann man zuschauen, wenn nämlich aus dem durchsichtigen Glibber eine zusammenhängende weiße Masse geworden ist. Dann werden die Proteine so zerstört, das ihnen nicht mehr zu helfen ist. Proteine fangen bei einer Temperatur von 43 Grad an, kaputt zu gehen. Je länger sie der Temperatur ausgesetzt werden und je höher die Temperatur steigt, desto geringer die Chancen, da irgendwas „wieder flicken zu können“. Jede Körperzelle ist nun einmal auch aus Proteinen gebaut, die Zellen werden löchrig, die Proteine gerinnen, wichtige Funktionen der Zellen fallen aus und damit eine grundlegende Versorgung des Körpers.

Für einen Hund, der in einem heißen Auto gelassen wird bedeutet es zum Beispiel: 

– die heiße Luft, die er einatmet und ausatmet, zerstört die Zellen in den Atemwegen.

– die Hitze im Auto heizt seine Haut auf und zerstört die Hautzellen und mit zunehmender

Wärme auch die tiefer liegenden Schichten.

– die Körpertemperatur steigt und damit auch die Temperatur des Blutes

– da das Blut in die äusseren Hautschichten gepumpt 

– wird, werden die inneren Organe nicht mehr ausreichende mit Blut versorgt.

– dazu kommt ein massiver Flüssigkeitsverlust, Hirnschädigung, Bewusstlosigkeit

– rein theoretisch müssten die zerstörten Zellwände die Flüssigkeiten aus den Blutbahnen ins Gewebe laufen lassen (also wie bei einem Steak medium, mit der Gabel draufdrücken und es tritt breitflächig Blutsuppe aus…)

Damit wären wir wieder beim „Garen mit Niedrigtemperatur“. Beim Garen wird die Tatsache, das Proteine sich unter Hitze zersetzen dafür genutzt, Lebensmittel verdaulich oder auch erst genießbar zu machen. Denn die Hitze zerstört z. B. Zellwände oder Toxine (Giftstoffe).

Wenn rund 1,5 kg Schweinebraten, der nur aus Muskelfleisch besteht bei 75 Grad rund 5 Stunden braucht, um gar zu werden – was glaubt ihr, wie lange ein kleiner Hund benötigt, um in einem Auto in der Sonne durchgegart zu werden? Aber eigentlich… ich will´s gar nicht wissen.

Ansonsten solltet ihr bitte AUCH daran denken, wie heiß der Untergrund für Hundepfoten bei dem Wetter wird und das gerade auf Asphalt Temperaturen weit über 50 Grad schnell erreicht werden. Von uns würde da niemand barfuß drauf laufen – aber von den Hunden erwartet man es!

Ebenso daran denken – Menschen haben LANGE Beine. Je kleiner der Hund, desto mehr Schritte muss er machen um mit seinem Menschen mithalten zu können – und das strengt ganz schön an!

Mit Dank an die Quellen:
Wikipedia, planet-hund.de, wissen.de, Spektrum der Wissenschaft, Thieme-Verlag, TASSO.net, liliput-lounge.de  uuuuund chefkoch.de! 

Es kann gut sein, das in dem Artikel ein paar sachliche Fehler sind, Korrekturen dürfen mir gerne gemeldet werden, Fehler sind zum lernen da. Den ganzen Kram mit den Aminosäuren habe ich bewusst weggelassen. Wer also weiß, was Proteine mit Aminosäuren zu tun haben, darf sich glücklich schätzen 😉

Erste Hilfe bei Hitze und Hund findet ihr via google, Rechtliches zum Einschlagen von Autoscheiben um ein Tier oder ein Kind aus einem heißen Auto zu retten auf zddk (zuerst denken, dann klicken) in mehreren Beiträgen. Bitte auf den Link klicken und die Seite generell öfters mal besuchen. Dankeschön! 

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Im Wald, da steht der Meister

Kennt ihr diese spontanen völlig schrägen Bilder im Kopf, wenn ihr etwas hört?

Ja? Toll! Nein? Schade, du verpasst echt was im Leben. Eigentlich wollte ich hier voll seriös über Waldmeister berichten. Aber damit war es ziemlich schnell vorbei, nachdem ich das Gedöns gelesen habe, wie der wissenschaftlich eingeordnet wird. So eine Einordnung ist ja mit lateinischen Wörtern, damit sie überall auf der Welt gleich ist.

Waldmeister im lichten Laubwald, Nahaufnahme

Sofort ploppten Asterix und Miraculix in meinem Kopf auf. Na ja, und die batteln sich gerade mit Meister Röhricht, Eckhard und Werner. Das klingt vielleicht irgendwie doof, aber manche Sachen kann ich mir besser merken, wenn sie in Geschichten und Bildern verpackt sind.

„Im Wald da steht der Meister, hinterm Busch der Eckhard, und da scheißt er“

in meinem Kopf ploppt ein Bild auf, wie die drei Pause im Wald machen und sich an einer Kiste „Berliner Weiße mit Schuss“ laben. Also an der flüssigen Version, nicht an der zweibeinigen. Die labt auch nicht, sondern labert.

Sträußchen mit Waldmeister

Also kommt Waldmeister im Laubwald vor, zu viel davon kann Durchfall (Kopfschmerzen, Übelkeit etc.) bescheren (= zu viel ist toxisch/giftig) und gehört zur Gruppe der Labkräuter.

Dann kommen Miraculix und Asterix den Weg entlang, Asterix guckt in den Himmel und sagt: „Oh, ein grüner Asteroidenschauer!“ – und der alte gallische Druide mit der lateinischen Amtssprache verbessert ihn: „ASTERIDEN, mein Lieber, ASTERIDEN, Galium odoratum“. Das „odoratum“ bedeutet, dass etwas gut riecht.

zeichnung auf Briefumschlag Asterix mit einem Asteroidenschauer aus Waldmeister

Beim Waldmeister verursacht der Stoff Cumarin dieses „odoratum“. Aber erst, wenn der Waldmeister trocknet. Dann verändert sich die chemische Zusammensetzung und es fängt an zu duften. Da bei mir in der Küche gerade Waldmeister trocknet: stimmt! Als Heilpflanze wird Waldmeister unter anderem eine beruhigende und entspannende Wirkung nachgesagt. Deshalb hat man zu den Zeiten, wo die Betten noch aus Stroh mit einem Tuch drüber bestanden, Wöchnerinnen und Babys Waldmeister auf dieses Bettstroh gelegt, damit die besser schlafen können.

Waldmeister aufgehängt zum Trocknen neben einem Stern aus Papier

Früher wurde noch viel mehr Waldmeister aufgrund dieses Cumarin-Aromas verwendet. Mittlerweile wird das künstlich hergestellt, weil man herausgefunden hat, dass Cumarin zum Beispiel aus diesen Waldmeisterpflanzen, krebserregend wirken kann. Deshalb ist der seit 1980 in Lebensmitteln nicht mehr erlaubt. Das soll niemanden davon abhalten, sich ab und an einen Stängel Waldmeister in seine Bowle zu packen – es ist wie immer: „Die Menge macht das Gift“.

Theodor Fontane, der Typ der die Reiseliteratur erfunden hat, in Neuruppin geboren wurde und aussah wie Buffalo Bill, beschreibt in seinem Buch „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ über das Waldmeisterfest in Rheinsberg. Das hieß dort „Möskesfest“ und war eine Woche vor Pfingsten. Ebenso schreibt er, dass ein Berliner nur drei Dinge im Leben braucht: Berliner Weiße mit Waldmeister, Kümmelschnaps und… Porree. Porree? LAUCH? Nun ja, vielleicht sollte es ursprünglich Porridge heißen. Haferschleim klingt ja auch eher unappetitlich und Fontane war viel in England unterwegs.

Klettenlabkraut klebt am Hosenbein

Ihr werdet im Wald noch eine Pflanze finden, die aufgrund ihrer quirligen Blattform und -stellung Ähnlichkeit mit dem Waldmeister hat! Das ist sein Verwandter, das Kletten-Labkraut. Bleibt die Pflanze hartnäckig an euch hängen, ist es deshalb kein Waldmeister.

Aber sowohl Waldmeister, der auch „Maienkraut“ genannt wird, als auch das Kletten-Labkraut haben im Bereich der Symbiose, etwas gemeinsam: Ihre Samen bleiben aufgrund ihrer feinen Stacheln im Fell von Tieren oder an den Klamotten von Menschen hängen und werden so verschleppt.

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Ein Satz mit X: Das war wohl nix

Eigentlich sieht es ja auf den ersten Blick immer ganz einfach aus: Man sieht auf der Karte ein interessantes Gebiet, fährt hin, schaltet Komoot ein um den Weg aufzuzeichnen, läuft eine Runde auf den Wegen, die auf der Karte zu sehen sind und hat danach eine tolle Tour.

Ausschnitt aus einer Komoot-Karte mit der Tour, sichtbar ist die lange Strecke, die es zurück ging

Gestern ist das eher so nach dem Motto Fleutjepiepen! (Pustekuchen) gelaufen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Kein Ding, die Gegend war richtig schön, partiell „der Hammer“. Abwechslungsreicher Wald, viel zu sehen, gut gelegen.

Hund schaut in einen lichten Laubwald neben dem Weg

Aber dann war da ein Weg eingezeichnet, der zusammen mit den anderen anvisierten Wegen eine wirklich schöne Runde ergeben hätte. Ich habe auch wirklich nichts gegen etwas zugewachsene Wege, solange die Hunde durchkommen und ich keine Machete brauche.

Aber der hat dann einfach aufgehört. Es wäre eigentlich auch nicht weit gewesen bis zum nächsten eingezeichneten und vielleicht vorhandenen Weg – aber eben quer durch den Wald in der Brut- und Setzzeit und vor allem NICHT MEHR AUF EINEM WEG. Deshalb habe ich es gelassen. Damit war die Idee „ich laufe heute eine tolle Humpelkumpel-Tour, dann gibt es eine mehr!“ auch in dem Moment gestorben. Denn wäre ich mit den Hunden quer durch den Wald gelatscht und hätte das als Tour online gestellt, würden andere es ja auch tun und sich ganz selbstverständlich nicht an vorhandene und sichtbare Wege halten. Das möchte ich nicht. Falls jemand denkt: „Aber auf dem Bild unten geht der Weg doch weiter!“ – Nein. Tut er nicht. Selbst die Fahrspuren zeigen, dass in dem Bereich, wo die Hunde sitzen, gewendet wurde, weil es nicht weiter ging.

Nervig ist in dem Moment dann auch immer die Erkenntnis: „Und dafür bist du jetzt so weit gefahren!!!“. Wobei es in diesem Fall tatsächlich ging, ich habe vorher Kai-Uwe besucht (in dem Fall meinen Mann und nicht die Bulldogge aus irgendeiner Trash-Serie bei der Leute irgendwelchen Krempel ausprobieren). Die Hunde haben sich über den großen Garten gefreut und „Möhrenkonfetti“ auf dem Rasen gesucht. Eigentlich wollte ich auf der Rückfahrt dann noch Visitenkarten bei zwei Futterläden auslegen, aber das hat sich dann ob der späten Uhrzeit erledigt gehabt. Im Kern ist es halt so, dass Touren nicht einfach „mal eben so“ entstehen. Eine Tour in dem Bereich wird es dennoch geben, nur etwas später.

Echte Sternmiere zwischen Bäumen im Wald



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