Muckis… aber ohne Hasenohren

Ich habe eine ziemlich gute Sammlung an Büchern über Hunde. Über deren Verhalten, Erziehung, Training, Geschichten, Romane, Kinderbücher und so weiter. Das hat sich bei mir in über 25 Jahren so angesammelt – und die wird auch immer wieder erweitert.

Zu meinem weihnachtlichen Bücherzuwachs gehört „Move!“. Darin dreht sich alles um Hundeorthopädie und wie man einen jungen Hund vernünftig aufbaut. Das liest sich schon viel leichter – und es hat ziemlich beeindruckende Röntgenaufnahmen, wie schon bei jungen Hunden die Knochen deformiert werden und welche Auswirkungen das hat.

Cover vom Buch "Move!" von Dr. Patrick Blättler-Monnier mit einem laufendem Windhund, Kynos-Verlag

Interessant finde ich die Erklärung, dass ein Welpe in Jupps Alter problemlos 4 Mal am Tag 20 Minuten spazieren gehen soll. Wobei… das ist ja auch immer so eine Sache, weil das sehr unterschiedlich aufgefasst werden kann. So geht jemand mit so einem jungen Hund 3 Kilometer und beklagt sich, dass der Hund „immer noch nicht platt“ ist . Darum geht es aber im Endeffekt ja gar nicht. So eine Runde ist ja vor allem bei einem Welpen immer auch die Umwelt entdecken – und da sind die halt manchmal wie kleine Kinder, die ewig etwas beobachten müssen. Das ist auch voll okay, denn so kann der Hund sich seine eigene Meinung bilden.

Interessant ist auch die Ausführung, wie ein guter Muskelaufbau Arthrose etc. entgegen wirkt. Das Problem hatte ich ja mit Joey. Auch Yoshi hat seine Probleme mit den Knochen, also liegt es einfach nahe, dass ich mich wieder ein bisschen mehr mit dem Thema beschäftige. Denn Genetik ist die eine Sache, Futterzusätze die zweite – aber zu gucken, die Muskeln möglichst gut aufzubauen noch einmal eine dritte.

Zwei runde aufblasbare Yogakissen in grau und lila auf einer orangenen Decke, daneben ein schwarzer Hund

Entsprechend baue ich jeden Abend, wenn ich mit Jupp die wichtigsten Kommandos übe, immer auch ein paar andere Übungen ein. Es gibt so aufblasbare Sitzkissen, auch Yoga-Kissen genannt. Die sind ein bisschen schwabbelig, siehe das Foto oben. Da geht er immer mal kurz mit den Vorderpfoten rauf. Nach und nach auch immer mal mit den Hinterpfoten. Warum mache ich das?

Überlegt mal, was euer eigener Körper macht, wenn ihr auf einem Trampolin steht, und einfach nur etwas schwingt! Wenn ihr Dehnübungen mit gegrätschten Beinen macht – welche Muskeln merkt ihr mehr? Die, die ohnehin beim laufen bewegt werden – oder diejenigen, die beim laufen „eher chillen“, aber bei so etwas wie balancieren oder grätschen viel arbeiten müssen? Hier habe ich euch mal ein Video rausgesucht, das euch die Sache mit den Muskeln ganz gut erklärt. Manchmal braucht man auch einfach mal eine Auffrischung…

Hunde haben echt viele Muskeln – wir Menschen ja auch, über 600. Aber während es vielen Menschen total klar ist, dass man als Mensch viele Muskeln hat und die halbwegs ausgewogen trainieren sollte oder eben auch, dass es ein Problem geben kann, wenn man irgendwann denkt: „Toll, das habe ich als Kind super gekonnt“ und dass dann mit 35 mal eben locker flockig wiederholen möchte…

Also, meine Mutter kommt aus dem Ruhrgebiet und wollte als Kind immer Tanzmariechen werden. Fand sie absolut super, hat viel geübt – und konnte halt auch Spagat. Jahrzehnte und vier Kinder später auf dem platten Land im Nirgendwo war dann die Schwägerin aus den USA zu Besuch und auf einer Familienfeier hat diese Schwägerin, noch älter als unsere Mutter, einen Spagat hingelegt. Meine Mutter dachte, was sie als Kind prima gekonnt hat, würde dann auch gehen… ging es nicht. Sie lag eine Woche flach.

Für uns Menschen wissen wir also eigentlich, dass es viele Muskeln gibt und wenn die untrainiert sind, gibt es Autsch. Aber die wenigsten übertragen das auf Tiere! Wir hatten früher einen unglaublich tollen Isi-Mix. Titus. Den hat meine Tochter dressurmäßig geritten und entsprechend war seine Muskulatur – absoluter Hingucker! Dann zog Titus zu einer jungen Frau, die ihn sich zum Abi geschenkt hat und absolut begeistert war.

Nur: sie hat ihn auf der Wiese geritten, Ausritte gemacht und so. Nach 6 Wochen kam eine Anfrage, was wir dem zugefüttert hätten, der hätte so viel Muskeln verloren. Das ist halt der Unterschied – sie ist nur noch geradeaus geritten, während im Dressurunterricht viel mehr Gymnastik für Pferde dran kommt. Da wird der Hals zu den Seiten bewegt, der ganze Körper gebogen, die Beine überkreuzt, über zwei Hufschläge geritten, Stangen und Cavalettis rausgesucht – und das macht halt etwas mit den Muskeln, die „eher chillen“, wenn es nur „geradeaus“ geht.

Dass diese Seite „Humpelkumpel“ heißt, hat ja seinen Grund darin, dass sowohl Joey als auch Yoshi ihre ganz eigenen Maleschen mit ihren Knochen hatten/haben. Ich weiß ebenfalls sehr gut, welches Privileg es ist, schmerzfrei zu laufen.

Deshalb möchte ich bei Jupp etwas mehr darauf achten, dass wir immer wieder auch ganz gezielt Übungen haben, die sich auf Muskeln auswirken, die eher weniger auf dem Schirm sind. Vetgirl hat ein ziemlich gutes kurzes Video zu so einem plastinierten Hund, wo die vorderen Muskeln gut zu erkennen sind.

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