Wer sich online nach Tipps zum Thema Welpenerziehung oder Hundetraining umguckt, wird früher oder später auf das Wort „crating“ stoßen, insbesondere bei Videos aus den USA.
Was erst „na ja, irgendwie logisch und nachvollziehbar“ klingt und aussieht, entpuppt sich nach genauerem Hinterfragen nach etwas, das eigentlich ziemlich gruselig ist. Denn das dort übliche „crating“, insbesondere bei Welpen, unterscheidet sich eigentlich ziemlich von in Deutschland üblichen Umgang mit einer Box.

Während eine – nach deutschen Vorgaben viel zu kleine – Box in den USA dafür genutzt wird, Hunde stundenlang einzusperren, um z. B. Zur Arbeit zu gehen und/oder nachts seine Ruhe vor dem Pinkeln eines Welpen zu haben, ist eine Box in Deutschland eher etwas, dass im Auto benutzt wird oder überwiegend offen bleibt, während der Hund drin ist.
Aber irgendwie ist es mit Stachelhalsbändern und Elektrohalsbändern: die sind auch verboten,(Tierschutzhundeverordnung, §2, Absatz 5) man kann sie aber kaufen und es gibt genügend Hundehalter, die das tun und den Krempel anwenden. Mehr und mehr werden auch Möbel zum Einsperren von Hunden angeboten. In Hamburg werden sie individuell angefertigt, es gibt sie via Amazon oder TEMU – und es schleicht sich das „selbstverständliche“ Benutzen davon ein. Filme aus den USA, wo das stundenlange einsperren über Stunden eine Selbstverständlichkeit ist und von vielen Hundetrainern dort als tolles Erziehungsmittel propagiert wird, tut ein Übriges.

Es ist auch ein enormer Unterschied ist, ob ich einen Hund – insbesondere einen Welpen, dessen Ausscheidungsorgane oft noch nicht einmal so voll entwickelt sind, dass er tatsächlich stundenlang einhalten kann – für maximal 30 Minuten in eine große Box oder in einen Laufstall packe und den dann schließe – oder ob er die WAHL hat, ob er eine offene Box oder einen offenen Laufstall zum Spielen und Ausruhen nutzt. SICHERHEIT gibt dem Hund über eine längere Dauer seine EIGENE WAHL. Ansonsten gilt für Hunde laut Tierschutzhundeverordnung (klick mich, ich bin ein Link) , dass ihnen bei einer Widerristhöhe bis 50 cm 6 qm Raum zur Verfügung stehen müssen, zwischen 50 und 65 cm sind es 8 qm und über 65 cm steht einem Hund gesetzlich 10 qm uneingeschränkte Bewegungsfläche zur Verfügung.
Ich meine, stellt euch mal vor, ihr wäret bettlägerig und müsstest stundenlang darauf warten, dass vielleicht mal jemand kommt, der euch auf Toilette bringt – und dann kommt keiner. Eure Verdauungsorgane sagen: „Warten vorbei!“ und ihr müsstet noch stundenlang in eurer Pisse und eurer Scheiße liegen. Dann kommt irgendwann eine genervte Pflegekraft und regt sich auf, dass ihr in euren eigenen Exkrementen liegt. Guckt euch den Screenshot mit dem Dackel an. Die Box ist so derbe klein, er kann einfach nicht ausweichen.

Im Endeffekt wird beim Crating von Welpen etwas erwartet, dass sie nicht leisten können: Halte aus, bis sich jemand bequemt, Zeit für dich zu haben, und wenn du es nicht kannst, hast du Pech und wirst noch angebrüllt, dass du nicht aushalten konntest und verstehst die Welt nicht mehr. Danach wirst du als Hund gepackt, ins Bad geschleift und von einem unerfreuten Menschen entsprechend gewaschen und wahrscheinlich zum Schutz der Möbel und Böden gleich wieder in den Käfig gesperrt, bis du trocken bist. Auch wenn man Hunde nicht vermenschlichen soll, der Effekt ist bei beiden Spezies der Gleiche: Unwohlsein bis hin zur Angst und Vertrauensverlust. Wer denkt, so ein Hund und die Box wäre ja schon teuer, sollte sich mal überlegen, wie immateriell teuer es wird, wenn ein Hund vor einem Angst hat und Vertrauen verliert! Ihr könnt dem Hund gerne lang und breit erklären, warum ihr ihn in so eine Box sperrt – er versteht unsere Sprache nicht. Oder nur die Worte, die er gelernt hat um sie mit etwas zu verknüpfen.

In einer großen Box oder in einem Laufstall kann er sich beschäftigen und bewegen, es passt unproblematisch noch ein Spielzeug hinein und eine Wasserschüssel – und wenn tatsächlich ein Malheur passiert, muss er sich nicht reinlegen. Man kann die Zeit nutzen, eben zu duschen, in den Keller zu gehen oder Dinge zu machen, bei denen es ansonsten durchaus problematisch werden könnte, wenn ein Welpe oder nervender Hund zwischen den Füßen herumwuselt.
Wenn „stupid germans“ (und davon gibt es ein paar mehr als mich) auf social-media crating kritisieren, dann flippen die Amis faktisch aus und erklären uns für komplett bescheuert und ahnungslos. Dass dies in Deutschland sogar ein Verbot gegen das Tierschutzgesetz wäre, können die sich absolut nicht vorstellen. Das ist allerdings kein Wunder, da Tierschutz in den vereinigten Staaten so eine Sache ist. Den gibt es kaum, wenn, dann eher für Nutztiere. Außerdem ist es in vielen US-Staaten halt eine Sache des jeweiligen Staates.
In Deutschland ist es da viel einheitlicher geregelt, da das Tierschutzgesetz (klick mich, ich bin der Link zum Tierschutzgesetz) in ganz Deutschland gilt. Dieses besagt ganz klar:
§2 Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,
1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.
Da irgendein Ami dann rumgetönt hat, wie dass denn bei den Tierärzten wäre, da würden die Tiere ja auch in kleinen Käfigen sein: Das ist eine medizinisch begründete Ausnahme. Auch das ist gesetzlich geregelt und selbst so eine Edelstahlbox bei einem Tierarzt wäre definitiv größer als manch ein propagierter Ami-Hundekäfig. Und: es ist immer jemand in Reichweite.
In anderen Beiträgen sind Amis dann völlig überrascht, wenn sie einen Hund – insbesondere aus einer Arbeitsrasse – über Stunden einsperren und der alles zerlegt. Oder wenn die Hunde aggro werden, weil sie stundenlang eingesperrt und alleine gelassen werden. Hunde sind Rudeltiere. Menschen sind ihr Ersatzrudel. Stundenlang alleine eingesperrt zu sein ohne irgendwelche Möglichkeiten zu haben, den Platz zu wechseln, aus dem Fenster zu gucken, etwas zu spielen, zu essen oder Pinkeln zu können ist nichts, was einem Hund Sicherheit gibt – sondern genau das, was er auch in vielen Vermehrerfabriken erleben würde – und wer ein bisschen länger das ganze Tierschutzgedöns verfolgt, bekommt mit, wie schwer traumatisiert Hunde aus solchen Fabriken sind.
Der American Kennel Club empfiehlt, einen Hund maximal 3 Stunden am Stück einzusperren und dass der Käfig/die Box groß genug sein muss, damit auch ein Wassernapf hineinpasst und der Hund sich problemlos drehen und strecken kann. – wobei… die empfehlen auf der anderen Seite auch viel zu kleine Käfige. Schaut euch mal die Screenshots aus den amerikanischen Videos an. Das mit dem kleinen Hund neben der Couch ist aus einem Video mit Cesar Millan. Selbst der hält sich nicht an die Vorgaben des AKC. Wobei: unvergessen, als er seine Shows in Deutschland abhalten wollte und nur mit einer qualifizierten deutschen Trainerin auf der Bühne mit Hunden arbeiten durfte, weil er den hier in Deutschland geforderten Sachkundenachweis nicht bestanden hat.
Die American Vetenerian Society (müsste so etwas wie die Tierärztekammer in Deutschland sein) sowie Peta (Link) empfehlen ungefähr das Gleiche – wobei Peta noch darauf hinweist, dass so ein Crate nicht mit einem Spielkennel zu vergleichen ist. Jupp hat so einen „Spielkennel“, einen Welpenauslauf. Unter dem Küchentisch. Das ist wie eine Höhle – und er kann immer rein und raus, bringt da seine Schätze rein um sie zu horten und einmal in der Woche wird das Ding ausgeräumt, anwachsende geschredderte Papierberge, angeknabberte Stöckchen und alle im Badezimmer ergatterten Schätze an Waschlappen, Socken und Co entfernt und das Spielzeug in einen Korb gepackt. Da holt er es sich nach und nach im Laufe der nächsten Tage wieder raus.
Eine Box in der er tatsächlich bleiben muss- oben offen und auf dem Beifahrersitz montiert und er wird darin mit Geschirr angeschnallt – hat er im Auto. So kann er mit mir Augenkontakt halten, bekommt mit, wenn wir fahren und hat gelernt, ein paar Minuten zu warten, wenn ich eben irgendwo einkaufen muss etc..
Einen wirklich guten und informativen Artikel gibt es im Blog der Tierarztpraxis im Kolonadenviertel in Leipzig. (klick mich, ich bin ein Link): Das ist übrigens eine Praxis, die sich auf Zahnbehandlungen bei Hunden und Katzen spezialisiert ist und auch überregional arbeitet.


